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Erinnrungszauber

Doch was sind schöne Zeiten, und wann ist schöne Zeit? - O sucht den Schatz der Freuden nicht in Vergangenheit! Nie waren Zeiten schöner, als ihr sie heut erblickt, Nur dass […] Mehr lesen

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Nach Beendigung der

den Reporter, ob er Luft habe, mit in den Wald zu gehen, wo er und Harbert zu jagen versuchen wollten. In Berücksichtigung der augenblicklichen Umstände kam man indeß dahin […] Mehr lesen

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Was bedeutet das nun

für alle, die ihre Daten nicht bereitwillig der NSA zur Verfügung stellen wollen. Bruce Schneier schreibt dazu im Guardian: How do you communicate securely against such an […] Mehr lesen

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Ein nächtlicher Bummel von der Wartburgstrasse zum Barbarossaplatz

Sonnabend, 1.2.2025

Der Sternenhimmel funkelt über der Wartburgstrasse, die seit 1900 an die thüringische Burg aus dem 11. Jahrhundert erinnert, die einst Schauplatz bedeutender Ereignisse war. Ein leises Summen liegt in der Luft. La Salvatore lockt mit warmem Licht und duftenden Speisen, ein kurzer Blick durch die Scheibe zeigt ausgelassene Gäste in regem Austausch. An der Bergmannstrasse wartet ein Späti mit blechernen Kühlschränken und kleinem Tresen, an der Wittenberger Strasse erzählen alte Fassaden von Luthers Reformation. Ein Nachbar am Briefkasten zitiert leise Martin Luthers Worte: *„Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“* Der Tante-Emma-Späti an der Augsburgerstrasse führt bunte Bonbons, und ein Schild mit *„Jackpot“* verspricht Glück, heute hoffentlich ohne einen Räuber. Ein Passant nickt grinsend. Der Barbarossaplatz liegt im Halbdunkel. Sein Name, der seit 1991 wieder offiziell an Kaiser Friedrich I. erinnert, den Rotbart, der das 12. Jahrhundert prägte. Doch der Platz selbst, einst Herzstück des Neustriesener Villenviertels, verbirgt unsichtbare Vorkommnisse. Im 19. Jahrhundert angelegt, pulsierte er bis 1945 als Verkehrsknoten, bevor die Straßenbahnen verstummten. Flüstert eine versteckte Inschrift von Barbarossa Worten „Friede gedeiht, wenn Menschen sich begegnen“? Ein Gedenkstein am Rand des Platzes ruft Lene Glatzer, Otto Galle und Rosa Menze ins Gedächtnis, antifaschistische Stimmen, die der Finsternis trotzten. Die Gaslaternen, Teile des denkmalgeschützten Ensembles, tauchen den Platz in warmes Licht. Mein automatischer Zeitraffer jagt die Schatten, Laternen blitzen sprunghaft heller. Wollen sie die Vergangenheit einfangen? Hier, wo einst Pferdebahnen zum Altmarkt ratterten, leuchten Fenster in Fassaden, Einmündungen, das Kopfsteinpflaster, alles vibriert im Zeitraffer. Ein Wind streift durch Sträucher, trägt das Rascheln von Zeitläufen davon. Ich atme tief durch, spüre das Gewicht der Geschichte und die Leichtigkeit des Augenblicks. Lebendig, hier, zwischen verblassten Spuren und lebendigem Flackern.

Schweizer Veranden, flüsternde Fassaden und eine Wetterfahne über den Dächern

Sonntag 2.2.2025

Der Friedensplatz taucht in blaues Zwielicht, Fenster leuchten gelb, rechteckiges Warmlicht gegen winterliche Kühle. Ich sitze auf der Parkbank, kaue das letzte Gummibärchen, derweil ein Eichhörnchen im Gebüsch raschelt. Max Bertrams Park von 1882 atmet Abendluft, die Wege winden sich um Rasenflächen, umgeben von Villen, deren Geschichten in den Dämmerhimmel ragen. Friedensplatz Nummer 1, die Stilvilla, reckt ihre Wetterfahne von 1887 über das Dach, ein Metallfähnchen, das jeden Dresdner Trend sah, vom Pferdebahnklingeln bis zum E-Rollergehupe. Ein Jogger zieht vorbei, sein Atem kondensiert, sein Hund schnüffelt am Gartentor. Die Wetterfahne bleibt regungslos, ein stählerner Beobachter. Friedensplatz Nummer 2, die englische Landhausvilla, steht da, ein Sturm wehte sie aus Shropshire hierher. Tudor-Balken, Fachwerk, ein Unikat aus der Ära Arndt-Lehrecke. Drinnen stellen Schatten Teetassen ab, draußen zucken Scheinwerfer vorbei. Ich passiere Nummer 6, Veranda mit Holzschnitzerei, ein Schweizer Chalet, das nie die Alpen sah, dafür zwei Weltkriege und DDR-Blümchenrasen. Ein Nachbar schüttet Gießwasser in den Rinnstein, sein Blick streift mich, prüft, ob ich die Denkmalschutzordnung breche. Der Friedensplatz, benannt nach einem Krieg, den niemand mehr kennt, sammelt Architekturepochen wie Briefmarken. Nummer 4 flüstert mit Stuckgesichtern, Nummer 5 protzt mit Jugendstilbalkonen. Alles unter Denkmalschutz, alles erstarrte Zeit, nur die Wetterfahne dreht sich, knarzt im Abendwind. Die Straßenbahn quietscht hinter Kastanien. Vor 110 Jahren, als Dr. Arndt seine Villa bezog, stampften hier Pferde. Heute parken E-Autos vor Sandsteinmauern, ihre Ladekabel schlängeln sich über den Fußweg, schmale schwarze Schlangen, die Strom ins Morgen leiten. Ich verlasse den Platz, blicke zurück. Die Wetterfahne zeigt nach Nordwest, Richtung Altmarkt, wo einst die Pferdebahn startete. Der Friedensplatz schließt die Augen, ein Ort, der Frieden nicht feiert, sondern bewahrt, Stein für Stein, Jahr für Jahr. Ist das sein Geheimnis? Er vergisst nichts. Nicht die Kriege. Nicht die Namen. Nicht einmal den Rost an der Wetterfahne.

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Erlweins Sparkasse, Försters Stein und ein Mural zwischen Brücken

Montag, 3.2.2025

Der Günzplatz dröhnt, Ampeln ticken, Straßenbahnen scheppern im Sekundentakt. Vor der Sparkasse, diesem Backsteinwürfel, eine Festung der Sparsamkeit, bleibt ein Tourist stehen, fotografiert die ornamentalen Gitter, von Hans Erlwein, 1912 gebaut. Ein Kurier auf dem Fahrradsattel verdrückt ein Brezelbrötchen vor der historischen Litfaßsäule, aus dem Jahr 1927, deren Globusaufbau Patina trägt. Die Doppelhaltestelle Sachsenallee, quillt über vom Feierabendverkehr, alle wollen nach Hause. Ein Rentner liest die Zeitung an der Haltestelle, die Überschrift verkündet etwas über Kohleausstieg. Am Sachsenplatz, einst Exerzierplatz für königliche Husaren, ruht die „Große Liegende“ von Wieland Förster. Ein Steinblock, hat sich einen Moment auf die Wiese gelegt. Das „Palaverhaus“ nebenan, mit frisch erneuerten Balken und Plexigläsernem Kuppeldach. Die Albertbrücke spannt sich über die Elbe, ein Sandsteinbauwerk von 1877, das schon so manchen Hochwasserzorn überstand. Auf der Brückenmitte, zwischen Radfahrern und E-Scootern, bleibt eine Gruppe Spanier stehen, filmen das Panorama, rufen „¡Qué frío!“, ihre Handschuhe umklammern die Smartphones. An der Lothringer Straße 7 entdecke das Mural, ein Farbenrausch auf altem Häuschen, der die Fassade historisiert. Das Landgericht Dresden nebenan, ein neobarocker Koloss von 1902, starrt mit steinernen Adlern über die Dächer. Wacht es über die Gesetze der Perspektive? Im Marwa-El-Sherbini-Park, benannt nach der 2009 ermordeten Chemikerin, rascheln letzte Blätter unter leeren Bänken. Ein Schild zeigt ihren Namen, eine Ameise krabbelt über das „M“ ihres Namens. Auf dem Rückweg zur Straßenbahn kreuzt ein Polizeiauto die Lothringer Straße, sein Blaulicht spiegelt sich, ein flüchtiger Dialog zwischen Recht und Kunst. Die Stadt Dresden funktioniert heute wie vor 120 Jahren, sie speichert Geschichte in Backsteinritzen, lässt Moderne an Denkmälern abperlen. Nur die Spanier sind jetzt weg, ihre „¡Qué frío!“-Rufe hängen noch im Nebel über der Elbe.

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Steine, die brennen, Steine, die schweigen, Steine, die erinnern

Dienstag 4.2.2025

Ich stehe in der Laubestraße, die Füße auf Gehwegplatten aus Granit, das 1945 vom Phosphor der Brandbomben glühte. Ein Windstoß wirbelt Zigarettenasche vom Gehweg, ob von Yramos-Tabak aus der Fabrik in Nummer 24, oder vom Marlboro eines Touristen, frage ich mich. Die Hausfassaden hier sind wie falsche Zähne, DDR Lückenbebauung zwischen intakten Gründerzeitgebäuden, wo einst Bomben die Häuser zu Ziegelstaub mahlten. Vor Nummer 13 bleibe ich stehen, einem Haus, das sich zwischen einstigen DDR Neubauten versteckt. Hier warfen Anwohner Brandbomben aus Fenstern, derweil die zweite Bomberwelle schon im Anflug war. Ein Wettrennen zwischen Helfern und Phosphorbomben. Eine alte Zeitung zitiert einen Überlebenden: „Wir warfen die Stabbrandbomben wie glühende Kartoffeln, bis der Himmel wieder dröhnte.“ An der Ecke Stresemannplatz hockt eine Katze auf dem Fenstersims von Nummer 1, ihr Schatten fällt genau dort, wo Elsa Richter 1945 drei Kinder im Schlafanzug über Schuttberge trug, so steht es im Polizeibericht. Die Stille lügt, die Steine speichern bis heute ihr Keuchen. Vor Nummer 24 sehe ich nieder, polierte Stolpersteine. Sonia Steinhart, geb. Goldschmidt, 1910-1944, wurde 1942 in Hellerberge interniert und später in Auschwitz ermordet. Ihr Nachbar, Moritz Rosengarten, flüchteten nach Uruguay, Walter nach Frankreich, dann in die Schweiz. Julius Lewin, der Zigarettenfabrikant, verkaufte unter Gestapo-Druck, nach einer Razzia, sein Lebenswerk an Reemtsma, ein Deal, bei dem der Kaufpreis in NS-Kassen tropfte. Ein Teenager mit Kopfhörern stolpert fast über mich, entschuldigt sich, starrt auf die Messingtafeln. „Was ist das?“, fragt er. „Visitenkarten der Geschichte“, antworte ich. Er zuckt mit den Schultern, tippt etwas ins Hand. Googelt er „Stolperstein“, oder bestellt er Pizza? An der Mosenstraße 3, dem Haus, das die Bomber stehen ließen, klimpert jetzt Klaviermusik aus dem Erdgeschoss. Chopin, denke ich, oder Debussy. 1942 hörte man hier andere Geräusche, das Kratzen von Koffern über Flurfliesen, das Knallen von Stiefelabsätzen auf Treppenstufen. Ich folge der Fluchtroute von 1945 Richtung großer Garten. Ein Jogger überholt mich, sein Atem dampft genau dort, wo einst Rauchschwaden die Sicht fraßen. An der Müller-Berset-Straße stoppt er, trinkt aus einer Aluflasche, wir reden über den Februarfrost, nicht über Feuerstürme. Zurück in der Laubestraße fegt eine alte Frau Laub vom Fußweg, jede Bewegung ein Zeremoniell. Sie zeigt auf Nummer 5. „Meine Tante schleppte hier Eimer um Eimer, bis ihre Hände blutige Striemen zierten. Später nannten man sie Aschephönix.“ Sie lacht, ein Geräusch wie knirschender Schotter, dann verschwindet sie im Hausflur. Die Abenddämmerung frisst die Konturen der Häuser. Ich stehe am Rand des ehemaligen Bombentrichters, heute ein wilder Parkplatz, stelle mir Julius Lewin vor, wie er 1945 hier stand, der Geruch von Brandruß in der Luft, die Fabrik und Häuser neben der 24 verkohlte Skelette. Ob er dachte: „So also schmeckt Überleben, verbranntes Mahagoni und Regenwasser.“ Wie ich gehe, bleibt mein Schatten an Nummer 24 kleben, eine Silhouetten, ein Händedruck zwischen Gestern und Heute. Die Katze von Nummer 1 faucht mich an, hatte ich ihr Geheimnis verraten? Womöglich hat sie recht. Sind wir alle nur Staub, der vergisst, dass er mal Mörtel war?

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Spaziergang entlang der Fetscherstraße

Mittwoch 5.2.2025

Am Abend laufe ich die Fetscherstraße entlang. Die Luft ist klar und kalt, die Straßenlaternen tauchen den Weg in sanftes Licht. Die Straße ist gesäumt von schmucken Wohnhäusern, deren Fenster im warmen Schein erstrahlen. Gegenüber steht die Pavillonschule, errichtet von Gottfried Kintzer und Ehrenfried Kubin zwischen 1957 und 1958. Der Bau besteht aus einem dreigeschossigen Haupttrakt, zwei Pavillons und Zwischentrakten. Sandsteinskelettverblendung und farbig verputzte Fensterbrüstungen prägen die Fassade, gekrönt von einem flachen Giebeldach. Arkaden aus Sandstein flankieren den Haupteingang. Am Comeniusplatz drücke ich den Knopf der Fußgängerampel, die zügig auf Grün springt. Der nasse Asphalt unter meinen Füßen glänzt im Licht der Laternen, das leise Rauschen der Straßenbahn begleitet meinen Gang. Die Stübelallee empfängt mich mit breiten Gehwegen, gesäumt von alten Alleebäumen, deren kahle Äste wie stille Wächter in den Himmel ragen. An der Straßenbahnhaltestelle Lipsiusstraße steigt ein junger Mann aus. Sein Gesicht ist vom kalten Wind gerötet, er zieht hastig seinen Schal fester. Die Karcherallee liegt still unter dem roten Licht der Ampeln, nur das Knirschen meiner Schritte auf dem Kies ist zu hören. Ich gehe weiter, bis ich die Winterbergstraße erreiche, wo historische und moderne Gebäude nebeneinanderstehen. Es riecht nach feuchtem Asphalt, gemischt mit einem Hauch von Kaminrauch, der aus einem der Häuser aufsteigt. Schließlich erreiche ich die Palucca-Schule am Basteiplatz, ein Gebäude von zeitloser Eleganz. Die Fassade reflektiert das orangefarbene Licht der Straßenlaternen. In den beleuchteten Fenstern sind keine Tänzer zu sehen, doch die Schule trägt selbstbewusst den Namen Gret Paluccas, einer der bedeutendsten Vertreterinnen des modernen Ausdruckstanzes. Ihre Philosophie, dass der Tanz die innere Freiheit des Menschen widerspiegelt, lebt hier weiter. Ein Moment der Stille begleitet mich, bevor ich meinen Weg fortsetze, getragen von den Geschichten der Straßen und Plätze, die hier seit Jahrzehnten von ihrer Zeit erzählen.

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Abendlichter und Geschichten im Schatten der Plattenbauten Johannstadt Süd

Donnerstag 6.2.2025

Abend, Dämmerung, die Nacht senkt sich über Dresden. Die Straßenlaternen werfen ihr fahles Licht auf nasse Gehwege. Reflexe vorbeifahrender Straßenbahnen und Kraftfahrzeuge vermischen sich. Leiser Nieselregen schimmert in der Luft. Warme, gelblich-orange Beleuchtung der vorbeisausenden Tram verspricht flüchtige Geborgenheit. Die Johannstadt, mit Widersprüchen der DDR-Architektur und der Stille der Parks, erwacht in der Nacht zu einem seltsamen Leben.Vor mir zieht die Straßenbahn vorbei, hinter beschlagenen Fensterscheiben die Silhouetten von Menschen in Mänteln, Taschen auf den Knien. Menschen die ins Leere sehen oder auf hell erleuchtete Smartphones. Eine Frau in roter Jacke lehnt an der Haltestelle, ihr Atem formt kleine Wolken. Der Wind schneidet leicht durch kahle Bäume, deren Äste dunkle Linien in den Himmel ziehen, wo einst der Rauch der Fabrikschornsteine den Blick trübte. Ich gehe weiter, Wege zwischen den Plattenbauten entlang, die Fenster leuchten wie kleine Inseln aus Licht in die Nacht. Am Rand eines Wohnblocks fällt mein Blick auf ein Denkmal für den Frieden. In den 1970er-Jahren errichtet mit der Szene „schützende Mutter mit Kind“. Ihre kantigen Formen berichten von vergangener Hoffnung und der Schwere der Geschichte. Ein paar Meter weiter bleibt mein Blick an der Skulptur „Sand, Stein, Dorn und Platte hängen. Die Formen der Steinskulptur erzählen Geschichten, von der Hoffnung auf Neubeginn und der Last der Vergangenheit. Eine Baustellenabsperrung mit blinkenden roten Lichtern markiert das Ende. Dahinter die Silhouetten stiller Wächter über Johannstadt Süd. Welche Erlebnisse umschließen diese Mauern, welche Träume und Kämpfe liegen hinter den Fenstern verborgen? Die Nacht ist still, nur das Summen der Straßenbahn in der Ferne und gelegentliches Knacken von Ästen durchbrechen die Ruhe. Ich bleibe stehen, atme die kalte Luft ein und denke an die Vergangenheit. Hier, in diesen Straßen, haben Generationen gelebt, geliebt, gelitten. Die Johannstadt trägt Spuren dieses Wandels, von der Zerstörung im Krieg über den Wiederaufbau bis hin zur Gegenwart. Ein Mann mit einer Kapuze läuft vorbei, sein Schritt ist schnell, sein Ziel unsichtbar. Das Licht der Straßenlaternen malt seine Schatten auf die Wand eines Hauses, bevor er im Dunkel verschwindet. Ich drehe mich um, Skulpturen und die Plattenbauten hinter mir, und folge dem Weg zurück in belebtere Straßen. Die Johannstadt Süd, mit ihrer Stille und den Spuren der Zeit, bleibt hinter mir, ein Ort voller Erinnerungen, bewacht von der Dunkelheit.

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Zwischen Zeit und Realität am Straßburger Platz

Freitag 7.2.2025

Das Weltall dehnt sich immer weiter aus, die Zeit beschleunigt sich, und ich stehe am Straßburger Platz unter einer altmodischen Uhr. Vier große Zifferblätter, eins zeigt die Zeit korrekt an, die Werbung rotiert stetig schneller, eilt in eine Dimension, die der Vergangenheit gehört. Der Widerspruch verwirrt mich, und ich frage mich, ob die Realität selbst zu kippen beginnt. Die Straßenbahn saust vorbei, ihre Lichter huschen über den nassen Asphalt. Leuchtende Streifen in der Dunkelheit, wie kleine Explosionen im Zeitstrom. Menschen drängen sich hinter den Scheiben, ihre Gesichter sind müde, viele starren auf Bildschirme. Suchten sie in digitalen Welten die Ruhe, die der Straßburger Platz ihnen nicht bietet? Auf der Werbung unter der Uhr erkenne ich „Job statt Jobcenter?“ Ich schmunzle, dann zerfließt die rotierende Schrift. Ein Windstoß reißt mir die Gedanken aus der Hand. Der Himmel ist schwer von Wolken, und die Laternen werfen lange Schatten auf die Fassade des Einkaufszentrums SP1. Ich beobachte die Menschen, die vorbeigehen, jeden in seinem eigenen Tempo, für jeden läuft die Zeit anders. Ein Kind bleibt stehen und starrt auf die Uhr, fragt seine Mutter, warum die beiden Seiten unterschiedliche Zeiten zeigen. Die Mutter zuckt mit den Schultern, zieht das Kind weiter, und ich bleibe allein mit der seltsamen Dualität dieser Uhr. Ich frage mich, ob Zeit wahrlich eine konstante Größe ist. Albert Einstein sagte, dass sie relativ ist. Aber hier, unter dieser Uhr, ist die Zeit ein launischer Mitspieler. Ein Moment dehnt sich, ein anderer rast vorbei, und ich stehe dazwischen, gefangen in einer Art kosmischem Warteraum. In der Ferne höre ich das Läuten der nächsten Straßenbahn. Es ist die Linie 10, die nach Johannstadt fährt, doch ich bleibe stehen, unfähig, mich zu bewegen. Die Realität um mich herum ist merkwürdig zerbrechlich, die kleinen Details, die schnellere Uhr, der nasse Asphalt, das Flackern einer Laterne, das gesamte Gefüge steht in Frage. Ich setze mich in Bewegung, gehe vorbei an einer Bank. Eine Frau sitzt dort, hält einen dampfenden Becher Kaffee in den Händen. Ihre Augen sind geschlossen, sie hält die Zeit an, um diesen Moment für sich einzufangen. Ich beneide sie um ihre Ruhe, derweil meine Gedanken zwischen der Unendlichkeit des Universums und den Widersprüchen der Uhr am Straßburger Platz hin- und herspringen. Neben mir diskutieren zwei Studenten über dunkle Materie. Eine ältere Dame auf der gegenüber liegenden Seite, hält ihren Pudel an der Leine. Er verrichtet sein Geschäft genau dort, wo einst der legendäre Eiswagen von Haselbauer süße Erfrischung spendete. Der Hund ist zufrieden, er weiß, dass alles vergänglich ist. Unvermittelt ertönt ein Bimmeln. Die Straßenbahn rauscht vorbei. Sie kommt direkt aus einem Paralleluniversum angeschossen. Für einen Moment glaube ich, einen Blick in die Unendlichkeit zu erhaschen. Stattdessen sausen drei Teenager mit E-Scootern vorüber, einer murmelt etwas von „Zeit ist nur ein Konstrukt, Alter“. Die Nacht wird dunkler, die Lennéstraße leerer, und ich frage mich, ob die Zeit beschleunigt oder ob nur mein Empfinden sie jagt. Die Realität am Straßburger Platz bleibt zurück, ihre Widersprüche, ihre kleinen Geschichten, die sich wie Fäden in das Gewebe der Stadt einfügen. Ich drehe mich um, die Uhr leuchtet im Hintergrund, ein ferner Beobachter, der daran erinnert, dass selbst die Zeit nicht unfehlbar ist. Bevor die Realität endgültig kippt, überquere ich die Lennéstraße und betrete den großen Garten. Die Dunkelheit schluckt die Lichter der Stadt, und die Zeit wird immer schneller vergehen.

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Europa, der Stier und die Schatten des Waldparks

Samstag 8.2.2025

Am Europabrunnen, im Winter ohne Wasser, reitet auch im abendlichen Dunkel die bronzene Europa selbstbewusst den wilden Stier. Ihre Haltung ist stolz, Europa beherrscht und lenkt den Stier, sie ist Reiterin und Herrscherin über Zeus in seiner tierischen Gestalt. Nicht wie im heutigen Europa, zerstritten und entzweit, ein Bild der verlorenen Einheit, das nach Harmonie sucht. Die Lichter der umliegenden Fenster spiegeln sich auf der bronzenen Oberfläche, die matt schimmert. Eine Frau bleibt stehen, zückt ihr Smartphone und hält die Szene fest. Das sanfte Klicken der Kamera begleitet das gleichmäßige Ticken der Sekunden, die unaufhaltsam verstreichen. Der Waldpark liegt vor mir, der Eingang rahmt sich zwischen kahlen Bäumen ein, die Äste greifen ineinander wie stumme Zeugen. Der Mond steht hoch, sein Licht fällt auf den schmalen Weg. Mein Atem formt kleine Wolken in der kalten Luft. Im Unterholz raschelt es, und mein Herz schlägt schneller. Doch nichts folgt, nur der Wind, der einen verlorenen Zweig bewegt. Das Dunkel der Vergangenheit umgibt mich, verborgen in den Schatten der alten Bäume. Zurück zum Europabrunnen, höre ich das Quietschen einer bremsenden Straßenbahn. Ihre Lichter tauchen die Loschwitzer Straße in Bewegung, und ich trete aus dem Schatten der Bäume. Die Dunkelheit des Parks bleibt hinter mir, ein stiller Beobachter, der seine Geheimnisse für sich behält. Mein Weg führt mich weiter, hinein in die lebendigen Straßen Dresdens, wo jede Ecke eine neue Geschichte verspricht.

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Historischer Spaziergang im nächtlichen Rosengarten und am Elberadweg

Sonntag 9.2.2025

Vom Rosa-Luxemburg-Platz starte ich, ich atme die kühle Luft ein und betrete den winterlich schmucklosen Rosengarten. Der Boden glänzt feucht vom letzten Regen und die Kälte des Abends dringt in meine Knochen. Der Garten wirkt still, Büsche stehen kahl und die Muschelkalkplastiken der vier Putten von Max Hermann Fritz empfangen mich reglos, ihre starren Blicke beobachten mich. Ein Windhauch bewegt feuchte Blätter, die sich unter Büschen, in der Dämmerung ducken. Einige Schritte weiter gehe ich um die Skulptur *ani-mal* von Steffen Bachmann, geschaffen 1999. Markante Konturen und harte Linien erzählen eine Geschichte des Wandels, ich berühre das raue Material und folge dem Weg zur Figur Genesung von Felix Pfeifer. Ein Luftzug streift mich beim Durchqueren des Pavillons aus den 1950er Jahren, ich rieche Kaffee und zuckerige Gebäckstücke, die vom Café und Restaurant im Rosengarten herüberwehen. Hintenwinkt eine Kellnerin aus dem Café und ruft, dass sie bald schließt, ich rieche ein letztes Mal den Duft von Kaffee und Süßgebäck. Verlasse den Rosengarten und passiere das Diakonissenkrankenhaus. Hinter dem Platz wo im Sommer Luigis Eismobil lockt, betrete ich die Treppe zum erhöhten Weg mit Blick auf die Elbe. Mein Blick fällt auf Waldschlösschenbrücke, links, gegenüber die Stadtkulisse von Johannstadt mit dem Fährgarten, rechts taucht der Rathausturm im Zentrum von Dresden auf. Jeder Schritt vermittelt mir das Gefühl, in einem lebendigen Bild zu stehen. Ein Schaufelraddampfer stampft elbabwärts, der Schornstein liegt flach, um die Albertbrücke zu unterqueren. Metallisches Zischen und rhythmisches Stampfen erklingen, Töne, die seit Jahrhunderten zu Dresden gehören. Am Elberadweg links die Drachenschänke, dort wird seit Jahren nichts ausgeschenkt. Mein Magen knurrt. Von links kommt das goldene Licht des Brauhauses am Waldschlösschen. Ich schwenke nach rechts unter die Brücke, fühle den feuchten Wind auf meinem Gesicht und der Stahlpfeiler vibriert unter den Fahrzeugen. Ich steige die Treppe am Pfeiler hinauf und spüre den kühlen Metallhandlauf. Ein älterer Herr grüßt leise, er klopft Staub von seiner Jacke und erzählt, diese Brücke wachse seit ihrer Eröffnung zum Symbol für das moderne Dresden. Ich nicke und blicke auf die Lichter, die sich im Fluss spiegeln und bis zum Rathausturm reichen. Meine Beine sind müde, ich atme den Geruch der Elbe ein und denke an die alten Zeiten, die in Stein und Denkmal schlummern. Ein leises Ziehen in meinem Herzen drängt mich weiter, ich höre Jogger hinter mir und lächle, dann verschwinde ich in der Nacht.

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Leipziger Straße, Graffiti und ein Fahrrad

Montag 10.2.2025

Ich stehe an der Leipziger Straße, der alten Handelsroute, die sich von der Antonstraße bis zur Meißner Straße zieht. Autos rauschen vorbei, die Straßenbahn rollt über vibrierende Gleise. Die Leipziger Straße führt nach Nordwesten, durch Pieschen, Mickten, Trachau und Kaditz. Der Name erinnert an die Handelsroute zwischen Dresden und Leipzig, auf der Jahrhunderte lang Waren, Nachrichten und Schicksale reisten. Mein Blick wandert über die Fassaden. An der Ecke zur Moritzburger Straße, Nummer 58 halte ich inne. Ein Gebäude mit Spuren der Vergangenheit. Fensterreihen mit hohen Rundbögen erinnern an eine Zeit, in der im Ballsaal der Gaststätte „Stadt Bremen“ Tanzpaare ihre Kreise zogen. Später wurde das Astoria-Kino daraus, ein Lichtspielhaus mit dem liebevoll-derben Spitznamen „Astloch“. Wer hier in den 1960ern einen Film sah, roch neben Popcorn die Geschichte, die in den Stoffbezügen der Sitze hing. Heute leuchtet das Schild eines China-Restaurants über dem Eingang, daneben wirbt eine Karaoke-Bar für lange Nächte. Ein paar Haltestellen weiter, am Puschkinplatz, leuchtet mir eine Wand entgegen. Sprühdosen zischen, Farbschlieren tropfen auf den Boden. Der Graffitipark, eine der sechs „Legal Plains“ der Stadt, gibt Künstlern Raum für Experimente. Eine goldene Wildkatze funkelt im Licht, ein Totenkopf schaut mich mit glühenden Augen an, umgeben von grellen Schriftzügen. Seit 2014 sprayen die Graffiti-Künstler hier offiziell. Seit damals wechseln die Motive, überlagern sich, verblassen, entstehen neu. Auf dem Boden liegen Sprühdosen, ein Radfahrer stoppt, betrachtet die Bilder, fährt weiter. Hätte das Alexander Puschkin gefallen? Vermutlich. Sein Name prangt auf dem Straßenschild am Platz, sein Gesicht aber fehlt unter den kunstvollen Farbschichten. Am Straßenrand lehnt ein Mietfahrrad der MOBIbike-Flotte. Oder das, was davon übrig ist. Die Kette liegt in zwei Teilen auf den Pflastersteinen, daneben eine achtlos weggeworfene Zigarette. Ein Stillleben aus Vergänglichkeit und Versäumnis. „Hätte, hätte, Fahrradkette“, murmele ich und wandere weiter bis Stadt Metz. Die Straßenbahn kommt, ich steige ein. Der Fahrer hebt kurz die Hand, ein verspäteter Fahrgast springt keuchend durch die Tür. Am Goldenen Reiter vorbei über die Augustusbrücke in die Altstadt. Der Postplatz huscht vorbei, das Pirnaische Tor, dann der Straßburger Platz mit der gläsernen Manufaktur. Am St. Josef-Stift steige ich aus, ein Krankenhaus mit langer Geschichte. Ich lasse den Blick über die Fassade schweifen. Der Tag endet dort, wo er begonnen hat. Die Stadt bewegt sich, immer im Kreis, von gestern nach morgen und zurück.

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Straßenbahnlinie 13, nachts durch Dresden

Dienstag 11.2.2025

Es ist Dienstagabend. Die Dresdner Straßen sind fast leer, die Stadt gedämpft. Kalte Luft steht über dem Lennéplatz. Der Platz, benannt nach dem preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné, markiert den Rand des Großen Gartens. Einst gestaltete er weitläufige Parkanlagen, heute bahnen sich Blechlawinen ihren Weg über den Platz. Die Linie 13 ruckt an, das Licht der Fenster wirft kurze Reflexe über den Asphalt. Die Bahn rollt, der Motor brummt leise. Ich sitze am Fenster lehne mich an die Scheibe und lasse die Stadt vorbeiziehen. Hinten, an der Wiener Straße, die Minol-Tankstelle. Das gelbe Logo leuchtete einst, die Zapfsäulen stehen einsam, ohne den Minol-Pirol. Die Wiener Straße liegt verborgen, vereinzelt rauscht ein Auto vorbei. An der Haltestelle Zoo steigen wenige aus. Der Zoo Dresden, einer der ältesten Tierparks Deutschlands, liegt am Rand des Großen Gartens. In der Ferne ragt das Afrikahaus aus dem winterlichen Geäst. Weiter zur **Haltestelle Querallee**. Der Name klingt nach einer Barockallee, breite Wege, die in den Park führen. Die Querallee ist Teil des alten Lustgartens, angelegt Ende des 17. Jahrhunderts für das sächsische Kurfürstenhaus. Heute warten hier Spaziergänger, manche mit dampfenden Kaffeebechern, andere mit kleinen Hunden, die ungeduldig an den Leinen zerren. Ich steige aus und folge der ehemaligen Straßenbahnstrecke an der Franz-Liszt-Straße. Der ungarische Komponist, der eng mit Dresden verbunden war, würde den Rhythmus der Stadt vermutlich anders vertonen. Weiter die Wasastraße entlang, deren Name an das schwedische Königshaus erinnert, erreiche ich den Wasaplatz. Er ist ein Zentrum von Strehlen, belebt von Cafés, Geschäften und alten Wohnhäusern. Die Straßenbahn schneidet ihn diagonal, währenddessen Autos und Busse in alle möglichen Richtungen abbiegen. Ich drehe eine Runde um den Wasaplatz, folge dann der **Oskarstraße** bis zum **Gustav-Adolf-Platz**. Der Kreisverkehr am Gustav-Adolf-Platz ist geteilt und ampelgeregelt. Wenige Autos und einige Fahrräder schlängeln sich darum. Hier steht die Zeit nie still, selbst an einem Dienstagabend durchqueren Busse und Straßenbahnen immerfort den Kreisverkehr. Der **Kaitzbach** fließt unter der schmalen Brücke hindurch, verborgen zwischen Gehwegen und Sträuchern. Das Wasser schimmert unter der Brücke, kaum sichtbar in der Dunkelheit. Niemand beachtet ihn, dabei war er einst eine wichtige Wasserversorgung. Ich laufe am denkmalgeschützten **Bahnhof Strehlen** vorbei, dessen rote Backsteinfassade an vergangene Zeiten erinnert, wie hier dampfende Lokomotiven hielten. Heute ist es eine S-Bahn-Station, belebt, aber ohne den rußigen Charme eines echten Bahnhofs mit Dampflokomotiven. Nur die Uhr tickt, der Minutenzeiger rückt vor. An der **Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage** überquere ich die **Tiergartenstraße** und betrete den großen Garten. Das Licht wird schwächer, die Wege verlieren sich zwischen Bäumen. Ein paar Schritte, dann über die **Brücke am Carolaschlösschen**. Der Blick fällt auf das Wasser, dunkel und regungslos. Die Dunkelheit schluckt Laute. Schritte knirschen auf Kies. Das Carolaschlösschen, einst ein mondänes Ausflugsziel, ruht still am Ufer. Die Finsternis zieht mich in den Park, begleitet vom Geräusch der eigenen Schritte. Die Stadt liegt hinter mir, doch ihre Geschichten bleiben.

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Schneeregen, nasse Füße und die Frage nach dem Warum

Mittwoch 12.2.2025

Es regnet nicht, es schneit nicht, es tut beides zugleich und nennt sich Schneeregen. Das ist keine vernünftige Wetterlage, es ist eine schadenfrohe Erfindung der Natur. Der Wind peitscht durch die Straßen, ein eisig nasser Hauch, der sich durch jede Lücke im Schal frisst und einem ins Gesicht schlägt wie ein grottig gelaunter Türsteher. Die Straßenlaternen beleuchten den, schräg fallenden Niederschlag, der unermüdlich versucht, mich von meinem Spaziergang abzubringen. Er bleibt erfolglos. Ich laufe am Sportplatz vorbei, dessen Flutlicht die nassen Flocken in glitzernde Kristalle verwandelt. Ein paar Unerschütterliche kicken dort mit der Ernsthaftigkeit, um das Champions-League-Finale in der Johannstadt zu entscheiden. Mein Blick bleibt an den Pfützen hängen, die sich auf dem Weg ausbreiten. Mein linker Fuß entscheidet sich spontan für ein erfrischendes Bad, mein rechter empfindet sich kurz darauf benachteiligt. So tritt er absichtlich in die nächste Pfütze, um Gleichheit herzustellen. Die Kälte kriecht durch die Sohlen. Doch jetzt sind wenigstens beide Schuhe symmetrisch feucht. Vor mir taucht das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus auf. Ein gewaltiger Komplex, mit historischem Eingangsgebäude, der sich aus dem trüben Licht der Straßenlaternen noch massiver erhebt. Eine Architektur in düsterer Eleganz der längst vergangenen Zeiten. Hier gehen Menschen ein und aus, Tag und Nacht, zwischen Notaufnahme und Visite, zwischen Hoffnung und Diagnose. Die Fenster werfen ein trübes Licht auf den Gehweg, die kahlen Bäume davor wiegen sich im Wind, sie diskutieren, ob dieser nasse Winter jemals ein Ende nimmt. Ich trete in die nächste Pfütze und frage mich, ob drinnen jemand aus dem Fenster schaut und sich fragt, Warum läuft dieser Idiot bei Schneeregen draußen herum? Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke höher. Ob das den Wind beeindruckt? Es beeindruckt ihn nicht. Dann die Trinitatiskirche, ihr Turm ragt in den grauen Himmel, aus Ruinenbögen schimmert ein entferntes Licht. Der Boden glänzt nass, das Licht spiegelt sich darin, eine Szene, aus einem düsteren Roman. Ich bleibe kurz stehen, atme die kalte Luft ein, spüre, wie sich meine Zehen langsam verabschieden und frage mich, warum ich das tue. Warum bin ich hier draußen in dieser triefend nassen, kalten Stadt unterwegs, derweil andere Menschen es sich zu Hause auf der Couch gemütlich machen? Die Antwort kommt in Form eines vorbeihuschenden Radfahrers, eingepackt in Regenkleidung, mit einer Entschlossenheit zwischen Trotz und Wahnsinn. Ich schmunzle. Womöglich genau deshalb. Weil es keinen wirklichen Grund gibt, außer, dass man es tut. Ich ziehe die Kapuze tiefer ins Gesicht und stapfe weiter durch den Abend. Der Schneeregen legt sich über alles. Dresden verwandelt sich in ein glitzerndes Chaos.

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Winterabend am Fährgarten

Donnerstag 13.2.2025

Ich stehe im Schnee, meine Schuhe knirschen, meine Nase tropft, meine Finger schmerzen, alles wie es sich für einen richtigen Winterabend gehört. Um mich herum glitzert die Welt, als hätte jemand eine Schneekugel umgestürzt und vergessen sie wieder aufzuheben. Das Reh aus Lichterketten schaut mich an, als hätte es tiefere Erkenntnisse über das Universum, weigert sich aber sie mit mir zu teilen. Daneben stehen Pinguine, dick eingepackt in Schnee, als wären sie nicht ohnehin schon für kalte Temperaturen gebaut. Gegenüber leuchtet ein Schneemann, eine Konstruktion aus hunderten LEDs, die selbst dann noch strahlt, wenn der echte Schnee bereits in ein Gemisch aus Matsch und Streusalz übergegangen ist. Ein Schneemann der niemals schmilzt, der Traum aller Kinder und der Albtraum aller, die an die Stromrechnung denken. Der Fährgarten sieht aus, als hätte ihn jemand aus einer Mischung von Weihnachtsmarkt, Kirmes und russischem Neujahrsfest zusammengeschustert, alles blinkt, flimmert, leuchtet in Farben, die es in der Natur nur als Warnsignal gibt. Während ich mich frage, ob mein Handy mit dieser Lichtverschmutzung klarkommt oder einfach den HDR Modus aufgibt, bemerke ich ein Banner mit der Aufschrift wir retten gemeinsam unsere Fahrer. Offenbar ein Aufruf zur Rettung des Nahverkehrs, der sich in Dresden gefühlt immer zwischen Krise und Katastrophe bewegt, vielleicht sollte man auch die Pinguine retten, die dort so still in der Kälte ausharren, oder mich. Ein echter Pferdeschlitten mit echtem Schnee steht mitten auf dem Platz, als wolle er daran erinnern, dass es eine Zeit gab, in der Winter nicht nur dekorativ waren, sondern eine logistische Herausforderung, vielleicht sollte ich mich einfach hineinsetzen, abwarten und sehen, ob mich jemand durch den Abend zieht. Stattdessen stolpere ich weiter durch den Schnee, während meine Zehen langsam die Existenz einstellen. Schnee ist eine dieser Sachen, die in der Theorie viel besser sind als in der Praxis, ein stiller Winterabend, das weiße Glitzern, heißer Tee, das sind die Dinge, aus denen kitschige Postkarten bestehen. In Wahrheit ist Schnee nass, kalt und ein erstaunlich effektiver Katalysator für nasse Socken, doch dann gibt es diesen Moment, ich bleibe stehen, atme tief durch, sehe die funkelnden Lichter, höre das Knirschen unter meinen Schuhen. Vielleicht ist es doch ein bisschen wie auf einer Postkarte, nur eben mit einer tropfenden Nase.

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Eiszapfen und Lichtspiele

Freitag 14.2.2025

Ich stehe vor einer Laterne, starre auf die Eiszapfen, die sich an ihrem Schirm festklammern, und frage mich, ob sie absichtlich so dramatisch aussehen. Das Licht darunter wirft einen goldenen Schimmer auf das gefrorene Wasser, das in dünnen Spitzen nach unten wächst, als wolle es die Schwerkraft verhöhnen. Die Laterne selbst scheint mit ihrem Schicksal abgefunden, sie bleibt ganz einfach stehen, tut, was eine Laterne eben tut, und wartet darauf, dass eines schönen Tages der Frühling kommt. Die Brühlsche Terrasse liegt im Dunkeln, nur ein paar Lampen werfen ihr Licht auf das Kopfsteinpflaster, das unter meinen Schuhen knirscht. Ich blicke über die Elbe, und die Kälte kriecht durch meine Handschuhe. Die Stadt atmet langsam, die Straßenbahnen gleiten über die Augustusbrücke, ihre Fenster reflektieren die Lichter der Semperoper. Ein paar Touristen stehen mit gezückten Handys da, im festen Glauben, dass ihre Fotos so aussehen werden wie das, was ihre Augen sehen. Die Semperoper leuchtet im Hintergrund, ein Postkartenmotiv, das immer exzellent bleibt, egal wie oft man es fotografiert. Weiter unten neben der Carolabrücke flackert LED-Kunst am Kaitzbach, blaue Muster bewegen sich über die Wiese. Die Architektur löst sich in Pixel auf. Die Lichter verschieben sich in einem langsamen Rhythmus, hypnotisch, unaufgeregt, anders wie die Stadt selbst. Ich bleibe stehen, atme aus, sehe meinen Atem in der kalten Luft, meine Füße verlieren langsam den Kampf gegen die Temperatur. Die Laterne leuchtet weiter, ihre Eiszapfen hängen reglos in der Dunkelheit, sie haben alle Zeit der Welt. Haben sie das? Vielleicht ist ihr Trick, nichts zu tun, hängen zu bleiben, bis alles von selbst vergeht. Ich wende mich ab, überquere die Straße und lasse sie zurück. Sie wird immer noch da sein, wenn ich das nächste Mal vorbeikomme.

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Die Haxe und das Chaos

Samstag 15.2.2025

Ich sitze am Tisch, die Speisekarte vor mir, die Entscheidung längst gefallen. Die Grillhaxe thront auf der Karte wie eine Naturgewalt, begleitet von böhmischen Knödeln und Sauerkraut, als sei das Leben eine ständige Abfolge von glücklichen Zufällen. Der Kellner nickt, ein wissender Blick, eine unausgesprochene Anerkennung meiner Wahl. Kurz darauf steht der Glühwein vor mir, dunkelrot, dampfend, eine Orangenscheibe treibt darin, bereitet sich auf eine lange Reise vor. Der erste Schluck wärmt den ganzen Körper, der zweite macht mich milde gegenüber allem, was der Tag noch bringen mag. Dann kommt sie. Die Haxe. Ein Monument aus Fleisch, eine Symphonie aus knuspriger Kruste und butterzartem Inneren, begleitet von einem Berg Knödeln, die aussehen, als hätten sie Angst, zu wenig zu sein. Das Sauerkraut duftet, ein Hauch von Kümmel und Geschichte liegt in der Luft. Ich nehme das Messer in die Hand, das Abenteuer beginnt. Minuten vergehen, ich kämpfe, genieße, kapituliere. Die Haxe hat gewonnen, ein ehrenvoller Gegner, der mich mit vollem Magen und leichtem Bedauern zurücklässt. Ich lehne mich zurück, beobachte die anderen Gäste, die in ihrer eigenen Schlacht mit riesigen Tellern stecken. Der Kellner kommt, fragt, ob alles in Ordnung sei. Ich nicke, nicht in der Lage, auch nur ein weiteres Wort zu sagen. Draußen wartet die Tram. Ein paar Schneeflocken taumeln durch die Luft, die Stadt brummt leise, alles scheint in Bewegung. Ich steige ein, sinke auf einen Sitz, die Wärme der Haxe noch immer in mir. Die Straßen ziehen vorbei, vertraut und doch fremd. Unvermittelt hält die Tram, eine Durchsage, Umleitung wegen einer Demo. Menschen steigen aus, blicken sich ratlos um. Ich folge ihnen, lasse mich treiben, die Stadt gehört heute denen, die sich nicht von einem Plan leiten lassen. Ich gehe ein Stück zu Fuß, atme tief ein, spüre die Kälte, die Energie, das Chaos. Dresden lebt, pulsiert, verändert sich. Irgendwo hinter mir bleibt der Landstreicher zurück, mit seiner Haxe, seinem Glühwein, seinem warmen Licht. Ich komme wieder, irgendwann, mit einem leeren Magen und derselben unvernünftigen Entscheidung auf der Zunge.

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Hochhaus in der Nacht

Sonntag 16.2.2025

ich stehe auf der Bundschuhstraße, blicke nach oben, das Hochhaus ragt dunkel in den Nachthimmel, einige Fenster leuchten, noch atmet das Gebäude. In der Mitte klafft eine schwarze Wunde, verkohlte Balkone, dunkle Schatten, die von etwas erzählen, das hier gestern noch anders aussah. Gestern gab es ein Feuer, die Nachrichten haben es gemeldet, und verkohlte Fenster sprechen eine deutliche Sprache. Die Balkone sehen aus, als hätten sie sich an etwas verschluckt, Rauch und Hitze haben ihre Spuren hinterlassen. Die anderen Wohnungen drumherum strahlen Normalität aus, Licht flackert, ein Fernseher läuft, jemand spült Geschirr. Alltag direkt neben einer Katastrophe. Gibt es eine unsichtbare Grenze zwischen dem, was war, und dem, was klaglos weitergeht? Gegenüber leuchtet ein buntes Glasfenster, die Farben sind warm, freundlich, fast beruhigend. Ich frage mich, wer sie entworfen hat, ob er oder sie wusste, dass dieses Haus einmal neben einem verkohlten Balkonen stehen würde? Licht und Feuer führen in diesen Momenten einen seltsamen Dialog. Hinter mir rauscht der Verkehr, Straßenbahnen surren am Sachsenplatz über die Schienen, Dresden lebt weiter, auch wenn ein paar Stockwerke in diesem Haus nicht mehr bewohnbar sind. Ich drehe mich um, laufe ein paar Schritte, der Wind trägt den Geruch von kaltem Rauch heran, ein letzter Gruß der Nacht, bevor der Morgen alles übermalt. Das Hochhaus bleibt stehen, stumm, wachsam, bereit für den nächsten Tag.

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Der Irrgarten Fiedlerstraße

Montag 17.2.2025

Ich stehe vor einer Baustelle, ein absurdes Labyrinth aus Absperrungen, Warnleuchten und Schildern, die mir in leuchtendem Rot signalisieren, dass mein ursprünglicher Plan einer simplen Wegstrecke gescheitert ist. Die Fiedlerstraße liegt im Dunkeln, nur die blinkenden Lichter der Absperrungen werfen hektisches Leuchten auf die Szenerie. Ist hier ein außerirdisches Landemanöver im Gange? Ein Bagger ragt über die Absperrung, eingefroren in der Bewegung, hat er sich mitten in der Nacht entschieden, nicht mehr weiterzuarbeiten. Das Baustellenschild verspricht Ordnung, doch was ich vor mir sehe, ist ein chaotisches Labyrinth, in dem sich Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichermaßen verirren. Ich wage den Versuch, laufe ein Stück, stoße auf eine weitere Absperrung, drehe nach links, versuche es auf der anderen Seite. Ein älterer Herr mit Hund bleibt stehen, sieht mich an, schüttelt wortlos den Kopf. Ich ahne, dass er diesen Irrweg bereits erkundete und nun mit einer Art resignierter Gelassenheit zusieht, wie andere das Gleiche versuchen. Die Stadt lebt, Autos stauen sich in der Ferne, Ampeln blinken, irgendwo in der Ferne hupt jemand, offenkundig aus purer Verzweiflung. Ich frage mich, ob es in der Stadtverwaltung eine geheime Abteilung gibt, deren einziger Zweck es ist, Menschen in ihrer gewohnten Route zu verwirren. Nach mehreren missglückten Versuchen finde ich endlich einen schmalen Pfad, der mich an den Absperrungen vorbeiführt. Habe ich einen Geheimgang entdeckt? Der Weg ist holprig, aber ich bin frei. Hinter mir bleiben die Absperrungen, der Bagger, das blinkende Chaos. Ich atme auf, blicke noch einmal zurück, und weiß genau, dass sich morgen irgendjemand an dieser Baustelle genauso verlieren wird wie ich.

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Neumarkt und das Erinnern

Dienstag 18.2.2025

Ich gehe über den Neumarkt, die Pflastersteine glänzen vom Regen, das Licht der Laternen spiegelt sich auf dem nassen Boden, die Frauenkirche ragt über allem, regungslos, unbeirrbar, als ob sie niemals zerstört worden wäre. Vor ihr stehen Porträts, groß, eindringlich, Gesichter, die Geschichten tragen, die zu groß für einen einzigen Platz sind. Luigi Toscanos Ausstellung „Gegen das Vergessen“ steht mitten in Dresden, vor einer Kirche, die selbst ein Denkmal ist, und fordert zum Hinschauen auf. Menschen bleiben stehen, manche lesen die Tafeln, andere Betrachten nur die Gesichter, einige gehen vorbei. Haben sie keine Zeit? Wollen sie nichts sehen? Oder sind sie schon zu müde, um sich an so etwas erinnern zu lassen? Die Dresden rauscht leise, Gesprächsfetzen treiben durch die Luft, jemand lacht, ein Kontrast zu den ernsten Blicken auf den Fotografien. Ich gehe näher, sehe die Falten auf den Gesichtern, die Spuren von Zeit und Geschichte, frage mich, was diese Menschen taten. Wie wir die Vergangenheit zwischen den Bildern zu sehen bekommen. Die Frauenkirche wirft ihren Schatten über die Ausstellung, ein Mahnmal neben einem anderen, Stein neben Haut, Vergangenheit neben Gegenwart. Ein paar Schritte weiter sitzt jemand im Café, eine Tasse dampft vor ihm, ein Handy in der Hand, der Blick auf den Bildschirm, derweil nur wenige Meter entfernt die Namen stehen, die nicht vergessen werden dürfen. Der Alltag ist laut, Erinnerung ist leise, doch sie steht da, mitten auf dem Platz, unübersehbar. Ich bleibe einen Moment, dann gehe ich weiter, lasse die Porträts hinter mir, aber sie verschwinden nicht wirklich. Sie bleiben, irgendwo im Kopf, da haben sie einen Platz gefunden, den sie nicht wieder verlassen werden.

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Nacht in Oberloschwitz

Mittwoch 19.2.2025

Der Wind fegt von der Haltestelle durch die Grundstraße, die Kälte kriecht durch meine Jacke, meine Finger verspüren den Bildschirm des Handys nicht mehr. Die Standseilbahn kricht zum Luisenhof, ihr Bahnsteig liegt verlassen da, die Schienen glänzen im Licht der Laternen. Ob sie auf bessere Zeiten warten? Über mir leuchten die Fenster der Villen auf dem Oberloschwitzer Berg, warm, einladend, unendlich weit weg. Ich ziehe den Schal enger, sehe den Atem in der Luft und frage mich, wie viele Menschen hier zu Fuß nach Hause gehen. Die Grundstraße zieht sich nach oben, steil, endlos, ein eisiger Test für jeden, der zu spät auf den letzte Bus gewartet hat. Ein Auto fährt vorbei, die Reifen schmatzen auf dem frostigen Asphalt, die Rücklichter verschwinden in der Kurve, und ich bleibe allein mit dem Geräusch meiner eigenen Schritte. Der Himmel ist tiefblau, einzelne Sterne flackern zwischen den Ästen, irgendwo bellt ein Hund, vielleicht aus Langeweile, vielleicht, weil er genau weiß, dass hier sonst niemand mehr unterwegs ist. Ich laufe weiter, vorbei an den großen alten Häusern mit Erkern und Türmchen, die Fenster beleuchtet, das Leben dort drinnen hat eine andere Jahreszeit. Ein Kind steht am Fenster, ein Schatten hinter einer Gardine, ein kurzer Blick auf die Straße, dann verschwindet es wieder. Ich frage mich, ob es sich Geschichten ausdenkt über die wenigen Gestalten, die hier unten durch die Kälte stapfen. Hoffentlich keine Gruselgeschichten! An der nächsten Ecke blitzt das Haltestellenschild auf, die Liniennummern versprechen Mobilität, doch mein Bus ist längst fort. Ich ziehe die Mütze tiefer ins Gesicht, trete auf die Straße, die eisige Luft macht den Kopf frei. Oberloschwitz schläft, aber ich habe noch ein paar Schritte vor mir.

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Die Carolabrücke und der Abriss auf Raten

Donnerstag 20.2.2025

Der Wind pfeift durch die Reste der Carolabrücke, die Lichter Dresdens spiegeln sich auf der Elbe. Sie wollen vergessen machen, dass ein weiteres Stück der Carolabrücke seinem Ende entgegensieht. Der Brückenzug A hält noch, irgendwie, aber der jüngste Spannstahlbruch hat die Lage nicht verbessert. Acht von ursprünglich vierzehn Drähten stemmen sich verzweifelt gegen die Schwerkraft, eine tapfere, aber zunehmend aussichtslose Aufgabe. Ein Schaufelraddampfschiff zieht langsam an mir vorbei, sein Licht tanzt auf den Wellen. Unter der Brücke ist die Elbe gesperrt, 72 Stunden Schifffahrtsverbot. Ist das Problem damit zu lösen? Ein Mann mit Hund bleibt neben mir stehen, schaut nach oben, schüttelt den Kopf, murmelt etwas von „Abriss auf Raten“ und geht weiter. Ich sehe ihm nach, denke an den letzten Einsturz, an den Staub, an die Schlagzeilen, an die Debatte, die konsequent geführt wurde, aber zu spät kam. Die Stadtverwaltung hat längst entschieden, der Abriss von Brückenzug A und B ist beschlossene Sache, eine vorsorgliche Maßnahme, um zu verhindern, dass sich das Drama wiederholt. Die Spannungsrisskorrosion, dieser unsichtbare Feind aus Chemie und Zeit, hat wieder zugeschlagen. Eine Brücke stirbt nicht schlagartig, sie stirbt langsam, über Jahrzehnte, bis ein Tag kommt, an dem sie nicht mehr hält. Hinter mir stauen Autos an der Umleitung, die Fahrer ahnen nicht wie lange das dauern wird. Die Lichter der Stadt zucken im Wasser, die Türme der Altstadt leuchten, Dresden sieht aus wie immer. Ich trete einen Schritt zurück, atme die kalte Luft ein, dann drehe ich mich um und gehe. Die Carolabrücke bleibt, noch, aber nicht mehr lange.

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Die Carolabrücke und das Warten auf den Knacks

Freitag 21.2.2025

Die Altstadt leuchtet, die Kuppel der Frauenkirche ragt über die Dächer, die Elbe schimmert im kalten Licht der Straßenlaternen. Irgendwo mitten im perfekten Dresden-Bild hängt ein Brückenzug durch, er hat einfach keine Lust mehr, die Spannung ist raus. Der Carolabrückenzug A hält sich mit letzter Kraft, aber er knirscht, zögert, zieht die Schultern ein, er weiß genau, dass sein Ende nur eine Frage der Zeit ist. Ein Schild verbietet Fußgängern den Zutritt, die Absperrung steht da, wird sie den unsichtbaren Riss aufhalten. Autos rauschen am Rathenauplatz vorbei, als gäbe es keinen Grund zur Sorge, als hätte es den Einsturz des anderen Brückenzugs nie gegeben. Die Stadtverwaltung verspricht Kontrolle, Messungen, Fachgutachten, solange der Stahl in der Kälte weiter altert, sich still fragt, wie lange er noch durchhält. Ein Bauzaun ziert das Ende der Brücke, dahinter eine dieser Schilderkombinationen, die gleichzeitig Umleitung, Sackgasse und Rettungsgasse ankündigen, eine Metapher für die Dresdner Verkehrspolitik. Jemand hat ein Graffiti darauf hinterlassen, ein unlesbares Wort, das trotzdem nach Resignation aussieht. Ich lehne mich auf der Brühlschen Terrasse an das Geländer, spüre die Kälte des Metalls, lausche auf das leise Brummen der Stadt. Die Brücke hält, ein paar Tage, einen Monat, womöglich länger, aber jeder weiß, dass sie gehen wird. Dresden wird wieder eine Baustelle werden, Umleitungen, Pressetermine, große Worte über Sicherheit und moderne Infrastruktur. Und egal wo unter all dem wird die Stadt weiterleben, mit oder ohne diese Brücke.

Update 24.2.2025:

Die Carolabrücke wurde offiziell eine „Brücke der Liebe“. Die Fahrbahn wurde mit einer Botschaft verziert, die das Bauwerk von einem wankenden Spannbetonrest in ein Denkmal für Wärme, Ehrlichkeit und Respekt verwandelt. In großen Buchstaben steht auf der Fahrbahn: “BRÜCKE DER? LIEBE? mit Wärme, Ehrlichkeit, Respekt, Nächstenliebe ? MÄRZ. Ohne: Milliardäre, Klimawandel, Waffen, AfD, Merz.“ Es ist unklar, ob die Carolabrücke aus purer Rührung ein paar Tage länger hält oder der Henningsdorfer Spannstahl aus Verzweiflung endgültig nachgibt. Die Botschaft ist ambitioniert, ein Manifest der Liebe mitten auf der gesperrten Fahrbahn, ein Aufruf zur glücklicheren Welt, aufgetragen mit weißer Farbe, vermutlich in einer Nacht- und Nebelaktion. Wurde diese Brücke genau deshalb gewählt, weil nichts den Wandel im modernen Leben besser symbolisiert wie diese Baustelle mit ungewisser Zukunft? Die Stadtverwaltung hat sich nicht offiziell geäußert, aber wenn die Brücke bald einstürzt, wird niemand mehr sagen, dass es ein kaltes, unpersönliches Konstrukt war. Sie hat jetzt Herz, wortwörtlich, wenn auch nur mit Sprühfarbe. Wir werden uns alle ein Beispiel daran nehmen und unsere Probleme mit großen, optimistischen Parolen überschreiben. Falls das funktioniert, probiere ich es demnächst bei meiner Steuererklärung.

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Der Flug der Kraniche an der Holbeinstraße

Samstag 22.2.2025

Mitten in Dresden, zwischen Plattenbauten, EDEKA und Parkbuchten, hat sich eine ganze Schar Kraniche in den Beton gefressen. Sie stehen an der Holbeinstraße, festgehalten in rauem Relief. Sie sind kurz vor dem Abflug, dann aber doch in den 60er-Jahren hängengeblieben. Das Werk stammt von Rudolf Sitte, dem Bruder des bekannten Architekten Hermann Sitte, und hat eine bewegte Geschichte hinter sich, so beweglich, wie es Beton eben zulässt. Ursprünglich gehörte das Kunstwerk den Elbe Flugzeugwerken (EADS), was im Nachhinein fast schon ironisch wirkt. Kraniche, die für Freiheit und Fernweh stehen, waren jahrzehntelang auf einer Fabrikmauer eingesperrt, die Flugzeuge baute, die Menschen ganz real in die Luft brachte. Aber jetzt, viele Jahre später, haben sie eine neue Heimat gefunden. Die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) hat das Relief als Dauerleihgabe übernommen, restaurieren lassen und an der Holbeinstraße platziert, genau dorthin, wo die Johannstadt ohnehin gerne die Vielfalt ihrer DDR-Vergangenheit zeigt. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Beton, Geschichte und einer DDR-Version von Freiheit, die sich hier manifestiert. Die echten Kraniche folgen den Jahreszeiten, dieser Schwarm hat seinen Landeplatz gefunden, eingerahmt von Laternenlicht und dem gelegentlichen Vorbeiziehen eines mürrischen Rentners mit Dackel. Ist es eine Mahnung, dass nicht alles, was alt ist, abgerissen werden muss? Oder ist es nur ein schönes Stück Stadtgeschichte, das zufällig noch da ist? Vielleicht wartet es auch nur auf den nächsten Umzug, wenn jemand entscheidet, dass es doch besser zu einer anderen Fassade passt. Bis dahin steht es unbeirrt hier und schaut den echten Vögeln nach, die ihre Freiheit ohne Denkmal genießen.

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Geisterpfad zum Fernsehturm

Sonntag 23.2.2025

Die Pillnitzer Landstraße liegt hinter mir, die Laternen werfen ihr fahles Licht auf den Asphalt, ein letzter Blick zurück auf die zivilisierte Welt. Vor mir beginnt der Moosleitenweg, ein schmaler Pfad, der sich in die Dunkelheit schlängelt, hinein in den Wald, in das Unbekannte. Die Bäume ragen wie stumme Wächter links und rechts, ihr Laub ist längst gefallen, kahlen Äste strecken sich nach mir aus. Der Boden ist feucht, Blätter knistern unter meinen Schritten, irgendwo raschelt es, vielleicht ein Tier, vielleicht etwas anderes. Ein Abzweig führt links tiefer in den Wald, über die Moosleite, vorbei an einem verwitterten Schild. Ich folge dem Pfad, nicht ganz freiwillig, der Wald nimmt mich auf, schluckt die Geräusche, nur mein Atem keucht, ein leises Knirschen unter meinen Schuhen. Dann, zwischen den Bäumen, eine Silhouette, eine verfallene Hütte, das Gespensterhaus, wie aus in alten Geschichten aufgetaucht. Fensterhöhlen starren mich an, längst verwittert, abgebröckelt, drinnen nichts, einzig Dunkelheit. Ein Schritt näher, meine Taschenlampe tastet über die Wände, Graffiti, halb verwischte Worte, Erinnerungen von Menschen, die vor mir hier waren. Wind fährt durch die kaputte Tür, ein leises Stöhnen, oder doch nur Einbildung? Den Hang hinauf, rote Punkte blinken in der Nacht. Das Licht des Fernsehturms wird sichtbar, ein modernes Mahnmal über diesem alten Wald. Ich folge dem Pfad zur Agneshöhe, oben ein Zaun, ein abgesperrtes Gelände, dahinter nichts, umherirrende Schatten. Was sich dort verbirgt, bleibt ein Geheimnis, das Tor ist verschlossen, kein Durchkommen, nur ein Schild, das keine Antworten gibt. Weiter auf dem Weg, die ersten Häuser tauchen auf, Lichter flackern durch die Äste, Fenster leuchten warm und fern, Zeichen, dass sogar eine reale Welt existiert. Am Weg „Am Wald“ stehen vereinzelte Laternen, ein lausiger Kontrast zur Düsternis, dann führt der Pfad weiter „An der Kirschwiese“, hinein in die Stille. Der Wald lichtet sich, die Otto-Ludwig-Straße taucht auf, ein letzter Blick zurück in das Schwarz, das sich hinter mir schließt. Der Oberwachwitzer Weg führt mich zur Haltestelle Fernsehturm, ein Bus wartet, warmes Licht, das verspricht, mich zurück nach Dresden zu bringen. Ich steige ein, sehe noch einmal aus dem Fenster, der Wald bleibt zurück, still, unberührt, wartend auf den nächsten, der sich hineinwagt.

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Grundstraße hinauf, im Namen der Wissenschaft

Montag 24.2.2025

Die Grundstraße liegt in dunkler Stille, nur das gelegentliche Rauschen von Autos weht herauf. Vorbei an der Haltestelle Rißweg, weiter zur Treppe „Loschwitz“, die sich in den Hang schmiegt, verborgen in der Nacht. Ein Schild mahnt zum Umkehren, Sperrung wegen Einsturzgefahr. Natürlich. Aber das hier ist Forschung, reiner Forscherdrang, ein Projekt im Namen der Wissenschaft. Also den Bauch einziehen, an der Absperrung vorbeiquetschen, vorsichtig, mit einem Fuß auf den nassen Waldboden. Unter mir ein leises Knacken, das sich in die Dunkelheit verläuft. Die Treppe windet sich nach oben, Stufe um Stufe, das Geländer taucht an einer Stelle in den Boden ab, eine unsichtbare Kraft hat es in die Unterwelt gezogen. Ein Geräusch im Wald, irgendwo links von mir, ein Knistern, vielleicht ein Tier, vielleicht der Wind, vielleicht auch nichts. Unten in der Ferne, kaum noch sichtbar, zieht sich die Grundstraße wie ein dunkles Band durch das Tal, Autos schieben sich hoch und runter, ohne zu ahnen, was hier oben geschieht. Dann eine neue Absperrung, diesmal seltsam geformt, mitten auf der Treppe. Drüber? Nein, drunter durch, wie ein Entdecker, der eine unbekannte Höhle erforscht. Endlich oben, Wutkestraße, ein triumphales Gefühl. Kein Mensch, nur eine einzelne Laterne, der Wald und ich. Die Stille ist angenehm, weiter geht es gemütlich Richtung Ulrichstraße. Die Serpentine windet sich abwärts, die Luft wird milder, dann taucht die alte Ladenaufschrift „Kolonialwaren Bier Most Soda Tabak Tester Wein Handlung“ auf, ein Fenster in eine vergangene Zeit. An der Haltestelle Steglichstraße wartet schon der Bus, die Grundstraße hinunter zum Körnerplatz, über das Blaue Wunder zum Schillerplatz, dann in die Straßenbahn, zurück in die moderne Welt. Auf der Fahrt denke ich an die Treppe, das verbogene Geländer, die Geräusche im Wald. War es tatsächlich nur der Wind? Solche offiziell gesperrten Wege, sollte man nur nehmen, wenn es der Wissenschaft dient.

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Auf Spurensuche zwischen Weichbildstein und Elbschlössern

Dienstag 25.2.2025

Die Schubertstraße liegt im abendlichen Dämmerlicht, der Asphalt glänzt feucht, die Laternen werfen lange Schatten. Ein paar Schritte, dann taucht er auf, der erste Weichbildstein, unscheinbar am Rand der Elbwiesen. Ein Relikt aus einer Zeit, in der Grenzen noch Steine brauchten, um ernst genommen zu werden. Ich stelle mir den Stadtschreiber vor, der mit ernster Miene in ein dickes Pergament notiert: „Hier endet Dresden, dahinter beginnt das große Nichts.“ Heute verbindet der Asphalt Dresden mit der Welt dahinter, die kühle Weite der Elbwiesen. Gegenüber leuchtet das Wasserwerk Saloppe, ein Name, der klingt wie eine Mischung aus Kurort und Tanzlokal. Diese Architektur hat Industrie romantisch gestaltet, ein Schloss für Pumpen und Rohre. Über allem thronen die Elbschlösser, ihre Lichter schimmern durch die dichte Finsternis am Hang. Die Besitzer von einst hätten sich vermutlich nicht träumen lassen, dass ihre Residenzen eines Tages Kulisse für Selfies, Hochzeitsfotografen und abendliche Jogger werden. Der Weg führt mich weiter, vorbei am Hochwasserpumpwerk und dem Regenüberlaufbecken Dresden-Johannstadt. Technische Bauwerke, die in ihrer Funktionalität fast ein wenig melancholisch wirken. Niemand bewundert ein Pumpwerk, niemand schreibt Sonette über ein Regenüberlaufbecken. Und doch stehen sie da, wichtig, unersetzlich, bereit, das zu tun, was sie immer tun: das Überflüssige wegzuleiten. Dahinter liegt der Hubschrauberlandeplatz, leer und verlassen. Nur die Linien auf dem Boden verraten, dass hier ab und zu etwas passiert. Ich stelle mir vor, wie mitten in der Nacht ein Pilot sanft aufsetzt, das Dröhnen der Rotoren in der Stille, ein kurzer Moment der Bewegung, dann wieder Leere. Ich bleibe stehen, lausche auf das Rauschen der Elbe, dem Brummen des Verkehrs auf der Waldschlößchenbrücke, eine Spur von Alltag in dieser Welt aus Technik, Geschichte und schimmerndem Wasser. Der Weichbildstein steht weiter unbeirrt am Weg, still, beständig, markiert die Vergangenheit, derweil die Gegenwart in eiligem Tempo vorbeizieht. Womöglich ist es seine größte Leistung, nicht zu verschwinden.

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Vom Artushof zur Zigarettenfabrik und Amerikaner mit Brot zur Belohnung

Mittwoch 26.2.2025

Der Bus gleitet über frisch sanierten Asphalt am Fetscherplatz, draußen zieht der Artushof vorbei, ein Gebäude aus dem Märchenbuch, mitten in die Stadt gepflanzt. Die Fassade prunkvoll, verziert, ein bisschen zu extravagant für eine Welt, in der Busfahrpläne und Supermarktkassen das Tempo bestimmen. Heute beherbergt es ein Steakhouse, dessen goldene Lettern edel leuchtend die Vergangenheit überstrahlen. An der Spenerstraße raus, zügig voran, Bertolt-Brecht-Allee, die Luft kalt, der Himmel grau, ein perfekter Tag für einen Spaziergang durch Industrievergangenheit. Rechts taucht die ehemalige Zigarettenfabrik Zepter auf, Bertolt-Brecht-Allee 25, früher Carlowitzstraße 25, eine Ruine mit Geschichte. In den 1920er Jahren produziert man hier Tabakwaren unter verschiedenen Namen, später, nach 1945, geht es weiter, bis in die 1960er. Im Folgenden zieht eine DDR - Möbelproduktion ein. Derzeit wächst Gestrüpp an den Fassaden, Fensterhöhlen starren leer in den Himmel. Eine Tür, halb offen, ein Windstoß bewegt etwas dahinter. Ich bleibe einen Moment stehen, stelle mir den Geruch von Tabak vor. Stimmen aus einer anderen Zeit, das Klacken von Maschinen, das leise Rascheln von Verpackungen. Ein Gebäude, das aufgehört hat, sich zu erklären, nach dem niemand mehr fragt. Weiter zur Backstube Hennig. Eine kleine Filiale, die Essensrettung anbietet. Vier Euro für eine Überraschungstüte, zwölf Stück Backwaren. Dabei ein halbes Brot und ein Amerikaner. Ein Amerikaner? Dieses Gebäck, das zuckersüß lächelt und immer ein bisschen schief glasiert ist. Ich öffne die Tüte, das Brot duftet warm, die Brötchen liegen in einer chaotischen Ordnung, sie sagen mir, hier, wir haben überlebt, wir sind noch lecker. Ich beiße in den Amerikaner, der Zuckerguss knackt, ein Moment der Ruhe zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Artushof steht weiter dort, die Fabrik wartet auf ihr Ende, hinter den nächsten Ecken geht das Leben mit Leichtigkeit weiter.

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Ein Wasserschaden, eine nasse Wohnung und ein Beziehungsstatus ohne Update

Donnerstag 27.2.2025

Der erste Test des DIY-Cardboard-Rahmens im Fenster, er sitzt halbwegs, gut genug für den Moment. Ich lehne mich zurück, betrachte mein Werk. Dann bimmelt es. Im Erdgeschoss soll es plätschern, erst leise, dann stetig. Das Wasser blubbert aus der Wohnungsdecke. Nicht tropft, nicht sickert, sondern sprudelt. Hat jemand die Elbe umgeleitet? Irgendetwas ist darüber los. Hatte der Rentner, der da wohnt, einen Unfall? Oder ist er gestorben? Keine Informationen, ich schaue nach oben, finde dort keine Antwort. In der Nachbarwohnung schrie gestern ein arabischer Mieter auf seinen tschechischen Besuch ein, oder umgekehrt, schwer zu sagen. Heute ist es still. Das Wasser sucht sich seinen Weg, es rinnt jetzt in den Keller, ein stiller, unerbittlicher Strom. Die Feuerwehr rückt an, gefolgt vom Rettungsdienst, dann die Polizei. Die Tür wird aufgebrochen, drinnen kein Lebenszeichen, kein Mieter, kein Unfallopfer. Das Wasser wird abgestellt, es plätschert noch ein Weilchen von der Decke, als wolle es sich verabschieden. Dann kommt noch mehr Polizei, ein Polizist hämmert an die Nachbarwohnungstür. Um den Beziehungsstatus der arabisch-tschechischen WG zu erforschen? Die Tür bleibt zu, das Haus schweigt. Dann eine Auflösung. Der Mieter ist im Pflegeheim. Die Feuerwehr saugt das Wasser ab, setzt ein neues Schloss ein, alle rücken ab. Die Decken im Keller und Erdgeschoss tropfen noch ein wenig nach, lassen das Drama langsam ausklingen. Ich betrachte die Szenerie, die nassen Stufen, das leere Treppenhaus. Dann fülle ich Wasser in den Kaffeeautomaten und schalte ihn an. Zum tschechisch-arabischen Beziehungsstatus gibt es keine neuen Informationen.

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Überschrift

Freitag 28.2.2025

Baustellen, ein Pferd ohne Kiste und eine Nacht ohne Heizung

Ein Pferd zu verschenken. Die Kiste gehört nicht dazu, steht in ordentlicher Handschrift auf dem Zettel an der weißen Plastikwanne. Drinnen ein Stoffpferd, weiß, mit wilder Mähne, Perlenkette um den Hals. Ein Anblick, der Fragen aufwirft. Wer verschenkt ein Pferd in einer Kiste und warum ist ausgerechnet die Kiste nicht Teil des Angebots? Ein Fall für tiefere philosophische Überlegungen oder nur ein skurriler Moment an der Comeniusstraße. An der Rosenbergstraße, eine andere Geschichte. Bagger rollen, Gräben tun sich auf, Männer in orangenen Westen laufen hektisch umher. Ein Heizungsrohr für Gruna und Blasewitz hat ein Problem. Kein kleines, sondern eins, das sich in kalten Heizkörpern und eisigen Fußböden bemerkbar macht. Fernwärme-Störung. Striesen, Blasewitz, Gruna – 600 Haushalte seit gestern ohne Heizung. Die Temperatur in den Wohnungen sinkt im Gleichschritt mit der Geduld der Bewohner. Die Ursache: ein unglücklicher Baggergriff im Rothermundpark, ein verirrtes Stück Baumaschine, das genau das falsche Rohr getroffen hat. Sachsen-Energie reagiert schnell, ein Bautrupp taucht auf, analysiert den Schaden, beginnt zu schweißen, zu dichten, zu fluchen. Am nächsten Tag, nach 25 Stunden, ist die Reparatur abgeschlossen. Ein Wunder der modernen Technik. Wer sich schon auf Tage im Eiskeller eingestellt hatte, musste nur eine Nacht mit Decke, Pullover und heißem Tee überstehen. Kein Grund zur Klage, eher ein Moment stiller Bewunderung. Ein Heizungsrohr, an dem gleich mehrere Stadtteile hängen, ist kein Gartenschlauch. Die Kälte verzieht sich, doch ein Rest Unruhe bleibt. Ich gehe durch den Großen Garten, der Boden knirscht unter den Schuhen, der Wind trägt Geräusche durch die Dunkelheit. Ein Licht flackert zwischen den Bäumen, ein Schatten huscht vorbei. Eine Geisterjagd zum Abschluss eines surrealen Tages. Das Pferd in der Kiste ist mittlerweile verschwunden. Vielleicht hat jemand es mitgenommen, vielleicht hat es selbst entschieden, dass es Zeit für einen Neuanfang ist.

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Des Baches Rauschen

Die Freunde sind ganz Ohr. Sie lauschen Dem tausendstimmigem Konzert Der Waldbewohner, jeder hört Mit stiller Lust des Baches Rauschen. Bis doch Nadir das lange Schweigen, Den Freund mehr lesen >>>

Das alte Lied im Wind

Da klingt im Wind das alte Lied voll Seufzer und voll Tränen - durch meine müde Seele zieht ein namenloses Sehnen; es ist, als ging ich ganz allein auf schneeverwehter Halde mehr lesen >>>

Besitzthum Hild

Die Julitage in Paris 1830 und die darauf folgenden Unruhen im nahen Königreich Sachsen hatten gleiche Wirkungen in Altenburg, und bei einem Aufstande in der Nacht mehr lesen >>>

Die Spielleute

Frühmorgens durch die Klüfte Wir blasen Victoria! Eine Lerche fährt in die Lüfte: Die Spielleut sind schon da!« Da dehnt ein Turm und reckt sich mehr lesen >>>

Abschied vom Karneval

Ihr zierlichen Füßchen in silberner Seide Von Rhythmen des Tanzes so reizend bewegt, Ihr holden Gestalten im blumichten Kleide, Vom Taumel der mehr lesen >>>

Menagerie seltener Thiere in

Es war allerdings Ursache vorhanden, einen Jäger in Aufregung zu bringen. Dick klopfte das Herz in der Brust, und seine Finger legten mehr lesen >>>

Es geht nur um mich, auch

Eine Auszeit macht Sie zu einem besseren Manager und zu einem besseren Kunden. Und ich denke, wir sollten alle sehr vorsichtig mehr lesen >>>

Der wunde Ritter

Ich weiß eine alte Kunde, Die hallet dumpf und trüb: Ein Ritter liegt liebeswunde, Doch treulos ist sein Lieb. Als mehr lesen >>>

Strahl von Licht

Die alte Linde steht und sinnt. In ihren Blättern rauscht der Wind ein Lied verklungner Wonne; die Blüten mehr lesen >>>

Wahrheit wird zu Staub wenn

In der zerborstenen Rotunde der Königlichen Bibliothek liegt das Raunen dicker Pergamente wie mehr lesen >>>

Wiedereinführung der

Auch die Wiedereinführung der Todesstrafe wurde genehmigt. Als darauf der Antrag den mehr lesen >>>

An demselben Tage, wie Cyrus

Smith, fiel auch eine andere wichtig Persönlichkeit in die Gewalt der mehr lesen >>>

Mit kühnem Mute

Bis doch ein Paladin aus Franken Vorm Schlosse hält, Der oft mehr lesen >>>

Gruß in die Ferne

Dunkelnd über dem See dämmert das Abendrot, Nur die mehr lesen >>>

Der Maler ernst und mild

Und durch die Stille, lichtgeschmückt, Aus mehr lesen >>>

Himmel und Träume in tiefer

Ein Traum vom fernen Mondlicht, ein mehr lesen >>>

Das können eher sein,

Massa Tom, Jim nix haben mehr lesen >>>

Faustus Vaterland mit

Doch Faustus mehr lesen >>>

Herbst welkendes Laub, die

Der mehr lesen >>>


Nutze den TraumBazar und beginne die Reise.

Insel oder Festlan Schön, schön, antwortete Pencroff, wir wissen darüber nur leider noch Nichts, Mr. Smith. Das wißt Ihr noch nicht? Werden es aber sofort erfahren, fügte Pencroff hinzu, wenn wir Sie als Lootsen durch dieses Land haben werden. Ich glaube im Stande zu sein, das unternehmen zu können, […]
Amt und Stadt Gotha Ernst der Fromme, der neunte Sohn des Herzogs Johann von Weimar, erhielt in den Erbtheilungen von 1640 mit seinen zwei Brüdern, dem Herzoge Wilhelm von Weimar und dem Herzoge Albert von Eisenach, Amt und Stadt Gotha, die Ämter Tenneberg, Georgenthal, Reinhardsbrunn, Schwarzwald, […]
Traualtar Schleier im H Die andern trugen Myrtenkrönlein, Du trugst ein Schleierlein im Haar; Du hattest auf dem Arm ein Söhnlein, Ein Grabstein war der Traualtar. Quelle: Vermischte Gedichte Ausgewählte Gedichte - Hermann von Lingg - 1905 www.zeno.org Zenodot Verlagsgesellschaft mbH Er entging aber diesmal […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Aus Nacht in lichte Höh

Aus Nacht in

Dein Herz, so liebevoll und schön, O wär' es mir gewogen! Ich schaute dann in lichte Höh'n Aus dunklen Lebenswogen. Ich würde nicht im Streit mit mir Wild hin und her getrieben, Ich würde fromm sein und mit dir Die Welt und alles lieben. Quelle: Neue Liebe Ausgewählte […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Nun ward der erste Frühling

Nun ward der

Ich lasse dir die Sträucher, die Bäum' und Blumen all'; Lass mir dafür den Kraken, den Behemoth, das Wall. Will mir schon Bäume schaffen, auch Blumen, tief im Schos an purpurrothem Strauchwerk grünt mein Korallenmoos. Und lass uns Pfänder tauschen, Erinnrung alter Zeit; […]

Informatik, systematische Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Stürme der Märzbewegung 1848

Stürme der

Für eine zeitgemäße Umgestaltung des altlandständischen gothaischen Landtages, welcher sich 1846 hauptsächlich mit Hypothekenwesen, Zusammenlegung der Felder, Zuschüssen zu Staatsanstalten, Straßen- und Eisenbahnbau und dem Steuerwesen beschäftigte, sprach sich 1847 […]